Wenn etwas in uns antwortet

Über Resonanz, Körperwissen und die leisen Signale in uns…

Manchmal gehe ich aus einem Seminar und habe nicht das Gefühl, jetzt einfach „mehr zu wissen“.

Sondern eher, dass irgendwo in mir noch ganz viele kleine Türen aufgegangen sind.

So war es nach dem Seminar „Melody of the Molecules“ mit Boyd Truman.

Es ging um Moleküle, Frequenzen, Klang, Licht, Wasser, ätherische Öle, Nervensystem, Herz, Hormone, Bindegewebe – und irgendwann auch um die Frage, wie viel von dem, was in uns geschieht, wir überhaupt bewusst wahrnehmen.

Viel Input.

Und ja: manches davon hat meinen Kopf durchaus beschäftigt. 😉

Aber noch spannender fand ich, was darunter lag.

Die Frage:

Was, wenn unser Körper viel mehr wahrnimmt und beantwortet, als uns im Alltag bewusst ist?

Wir sind keine Maschinen

Ein Gedanke, der sich durch den Nachmittag zog, war für mich besonders spannend:

Unser Körper ist kein mechanisches System aus voneinander getrennten Einzelteilen.

Herz. Nervensystem. Hormone. Blut. Darm. Bindegewebe. Gehirn.

Alles kommuniziert miteinander.

Das klingt eigentlich selbstverständlich – und trotzdem behandeln wir unseren Körper oft ziemlich anders.

Wenn irgendwo etwas nicht funktioniert, schauen wir genau dorthin.

Dabei könnte die interessantere Frage manchmal sein:

Was passiert gerade im gesamten System?

Unser Nervensystem reagiert auf Sicherheit und Stress. Hormone transportieren Informationen. Blut versorgt unsere Zellen. Das enterische Nervensystem verbindet Darm und Gehirn. Bindegewebe durchzieht unseren ganzen Körper und verbindet Strukturen miteinander.

Und all diese Systeme reagieren nicht nur auf das, was wir essen, trinken oder körperlich tun.

Sie reagieren auch auf unsere Umwelt.

Auf Belastung.

Auf Ruhe.

Auf Beziehungen.

Auf Gedanken und Emotionen.

Das fand ich faszinierend.

Nicht im Sinne von: „Denk positiv, dann wird alles gut.“

So einfach ist das Leben nicht.

Aber vielleicht unterschätzen wir manchmal, wie sehr unser innerer Zustand auch körperlich erlebt wird.

Von Frequenzen, Klang und Resonanz

Ein weiterer Teil des Seminars führte über Frequenzen und Klang.

Musik ist letztlich Schwingung.

Ein Ton besitzt eine Frequenz. Auch Licht lässt sich über Wellenlängen beschreiben. Und bereits Kepler und andere Denker beschäftigte die Vorstellung einer Art „Musik der Sphären“ – einer Ordnung, in der unterschiedliche Bewegungen und Rhythmen miteinander in Beziehung stehen.

Ich musste dabei an Resonanz denken.

Wir kennen sie aus der Musik:

Etwas beginnt mitzuschwingen, weil etwas anderes angeschlagen wurde.

Und plötzlich war der Gedanke gar nicht mehr so abstrakt.

Denn genau das erleben wir doch ständig.

Ein Mensch betritt einen Raum – und irgendetwas verändert sich.

Ein Satz fällt – und wir werden innerlich weit.

Oder eng.

Ein Lied läuft – und innerhalb von Sekunden sind wir an einem anderen Ort unseres Lebens.

Ein Geruch.

Eine Stimme.

Ein Blick.

Manchmal braucht es offenbar nur den richtigen Ton – und etwas in uns antwortet.

Vielleicht ist das der Punkt, an dem Wissenschaft, Wahrnehmung und meine Arbeit als Coach sich für mich berühren.

Nicht, weil wir jede Reaktion sofort erklären können.

Sondern weil Wahrnehmung überhaupt erst einmal eine Information ist.

Und dann waren da die ätherischen Öle

Natürlich ging es an diesem Nachmittag auch sehr konkret um ätherische Öle.

Um ihre chemische Zusammensetzung, unterschiedliche Moleküle und darum, wie ihre Bestandteile analysiert werden – beispielsweise mithilfe eines Chromatogramms, das wie eine Art chemischer Fingerabdruck eines Öls gelesen werden kann.

Das fand ich schon deshalb spannend, weil es ätherische Öle aus dieser rein „duftet halt schön“-Ecke herausholt.

Da sind reale Pflanzenstoffe und komplexe chemische Zusammensetzungen.

Wie genau einzelne Inhaltsstoffe auf den menschlichen Organismus wirken und welche therapeutischen Aussagen sich daraus ableiten lassen, ist natürlich eine eigene wissenschaftliche Frage.

Was mich an diesem Tag jedoch viel mehr beschäftigt hat, war etwas anderes:

Eine Pflanze reagiert permanent auf ihre Umwelt.

Auf Licht.

Wasser.

Temperatur.

Verletzungen.

Schädlinge.

Jahreszeiten.

Und bildet dabei hochkomplexe Stoffe.

Vielleicht fasziniert mich genau deshalb die Pflanzenwelt so sehr.

Nicht als magische Lösung für alles.

Sondern als Erinnerung daran, wie intelligent lebendige Systeme organisiert sind.

Der Körper erinnert sich

Besonders hängen geblieben ist bei mir auch das Thema Bindegewebe.

Es verbindet Muskeln, Knochen, Organe und Nerven miteinander und bildet damit gewissermassen ein körperweites Netzwerk.

Im Seminar fiel dazu ein Gedanke, der mich sofort erreicht hat:

Dass körperliche Strukturen nicht losgelöst von unseren Erfahrungen betrachtet werden können.

Ich kenne das aus dem Coaching auf einer anderen Ebene sehr gut.

Wir können etwas längst verstanden haben – und trotzdem reagiert unser Körper noch.

Der Kopf sagt:

Alles gut.

Und die Schultern ziehen sich hoch.

Der Bauch wird eng.

Der Atem flacher.

Oder wir begegnen einem Menschen und wissen eigentlich noch gar nichts – und fühlen trotzdem sofort:

Hier kann ich entspannen.

Oder:

Hier stimmt für mich etwas nicht.

Vielleicht ist Körperwissen manchmal genau das:

eine Antwort, bevor der Verstand eine Erklärung dafür gefunden hat.

Vom Nervensystem zum Herzen

Und irgendwann führte dieser Gedankengang weg von einzelnen Molekülen, Hormonen oder Körperfunktionen – und hin zum Herz.

Nicht im romantischen Sinn.

Sondern zu der Frage, welche Rolle es eigentlich in unserem Erleben, unserer Wahrnehmung und unseren Entscheidungen spielt.

Genau da wurde es für mich besonders spannend.

Weil ich dieses

„Ich weiss es nicht – aber irgendetwas in mir reagiert.“

gut kenne.

Manchmal ist es ein Gedanke.

Manchmal ein Gefühl.

Manchmal zieht sich etwas zusammen – oder wird plötzlich ganz weit.

Und vielleicht müssen wir nicht immer sofort wissen, warum.

Vielleicht dürfen wir zuerst einmal wahrnehmen, dass etwas in uns antwortet.

Kopf oder Herz?

Ich mag meinen Verstand.

Wirklich. 😉

Er analysiert hervorragend.

Teilweise sogar Dinge, um deren Analyse ich ihn gar nicht gebeten habe.

Aber ich kenne eben auch diese Momente, in denen mein Kopf zwanzig Argumente produziert – und etwas in mir längst weiss:

Nein.

Oder:

Ja.

Oder:

Schau da genauer hin.

Für mich bedeutet „dem Herzen folgen“ deshalb nicht, den Verstand auszuschalten.

Es bedeutet eher:

beide wieder miteinander sprechen zu lassen.

Was weiss ich?

Was fühle ich?

Was nehme ich wahr?

Was sagt mein Körper?

Und was entspricht eigentlich meinen Werten?

Gerade diese letzte Frage ist für mich zentral.

Denn nicht jede Angst ist Intuition.

Nicht jede spontane Reaktion ist Wahrheit.

Manchmal reagieren alte Erfahrungen.

Alte Verletzungen.

Oder ein Nervensystem, das sehr schnell gelernt hat, uns zu schützen.

Deshalb geht es für mich nicht darum, jedem inneren Impuls blind zu folgen.

Sondern darum, wieder feiner unterscheiden zu lernen.

Vielleicht beginnt Selbstverantwortung genau dort

Ein Satz aus dem Seminar ist bei mir ebenfalls hängen geblieben:

Wir schreiben an der Geschichte unseres Lebens mit.

Nicht, weil wir alles kontrollieren könnten.

Können wir nicht.

Und ich halte auch wenig von der Idee, dass Menschen jedes schwierige Ereignis ihres Lebens irgendwie selbst „erschaffen“ hätten.

Aber wir haben Einfluss darauf, wie wir mit dem umgehen, was uns begegnet.

Welche Gedanken wir immer wieder füttern.

Welche Beziehungen wir pflegen.

Wo wir Grenzen setzen.

Was wir unserem Körper zumuten.

Wann wir innehalten.

Wann wir uns selbst zuhören.

Und vielleicht ist genau das Selbstverantwortung:

Nicht die Illusion vollständiger Kontrolle.

Sondern die Bereitschaft, den eigenen Einfluss dort ernst zu nehmen, wo wir ihn tatsächlich haben.

Was ich von diesem Tag mitnehme

Vielleicht gar nicht die eine grosse Erkenntnis.

Eher viele kleine.

Dass Leben unglaublich komplex ist.

Dass unser Körper nicht aus einzelnen Schubladen besteht.

Dass Nervensystem, Emotionen, Körper und Wahrnehmung enger zusammenspielen, als wir im Alltag oft beachten.

Dass Klang und Musik etwas in uns bewegen können, bevor wir dafür Worte haben.

Dass Pflanzen faszinierend komplexe chemische Systeme sind.

Und dass wir vielleicht manchmal weniger analysieren – und ein bisschen besser zuhören dürfen.

Dem Körper.

Dem Herzen.

Unserer Wahrnehmung.

Nicht alles, was wir wahrnehmen, ist automatisch Wahrheit.

Aber es kann eine Einladung sein, genauer hinzuschauen.

Und vielleicht ist genau das mein schönstes Mitbringsel aus diesem unglaublich inputreichen Tag:

Wenn etwas in mir antwortet, muss ich nicht sofort wissen, warum.

Ich darf es erst einmal hören.

Und dann entscheiden, was ich damit mache.

Stefanie Egger