Farben des Lebens

Heute waren mein Sohn und ich im Wildpark.

Die Sonne schien, der Himmel war tiefblau und überall diese unglaublichen Herbstfarben.

Gelb.
Orange.
Rot.
Grün.

Und ich stand irgendwann vor diesem großen Baum und dachte:

Wie verrückt eigentlich, dass wir den Herbst gerade deshalb so schön finden, weil sich alles verändert.

Die Blätter verlieren ihre vertraute Farbe.

Sie verändern sich.

Und irgendwann fallen sie ab.

Eigentlich könnte man sagen:

Da geht etwas zu Ende.

Und trotzdem stehen wir davor und denken:

Wie wunderschön.

Vielleicht ist das im Leben manchmal ganz ähnlich.

Nicht jede Veränderung fühlt sich im ersten Moment schön an.

Manche suchen wir uns aus.

Andere passieren einfach.

Manches dürfen wir bewusst loslassen.

Und manches würden wir vielleicht gerne noch ein bisschen länger festhalten.

Ich habe in den letzten Monaten ziemlich viel Veränderung erlebt.

Und wenn ich ehrlich bin, fühlt sich auch heute noch nicht alles fertig sortiert an.

Manches ist klarer geworden.

Manches ist noch offen.

Manches fühlt sich leicht an.

Und manches beschäftigt mich mehr, als ich manchmal gerne zugeben würde.

Aber vielleicht muss ein Leben auch gar nicht immer ordentlich in eine Farbe passen.

Vielleicht darf es gleichzeitig bunt sein.

Da darf Freude sein.

Sehnsucht.

Freiheit.

Unsicherheit.

Mut.

Traurigkeit.

Leichtigkeit.

Und ganz viel Leben dazwischen.

Vielleicht besteht das Leben gar nicht darin, immer im gleichen Grün zu bleiben.

Vielleicht geht es darum, unseren eigenen Farben zu vertrauen.

Auch dann, wenn sie sich verändern.

Der Herbst erinnert mich gerade daran, dass Veränderung nicht automatisch bedeutet, dass etwas schlechter wird.

Manchmal wird etwas einfach anders.

Manchmal sogar viel farbiger.

Und manchmal erkennen wir erst später, wofür eine bestimmte Phase gut war.

Heute jedenfalls stand ich mit meinem Sohn zwischen diesen bunten Bäumen, wir waren draußen, haben Tiere angeschaut, gelacht und später zuhause Kastanienmännchen gebastelt.

Kein spektakulärer Tag.

Und gleichzeitig genau diese Art von Tag, bei der ich immer öfter denke:

Das hier ist mein Leben.

Nicht irgendwann.

Nicht wenn alles geklärt ist.

Nicht wenn ich weiß, wie es weitergeht.

Jetzt.

Mit all seinen Farben.

Und vielleicht ist genau das gerade meine wichtigste Erinnerung:

Ich muss noch nicht wissen, welche Farbe als Nächstes kommt.

Ich darf einfach schauen, was entsteht. 🍂

Welche Farbe hat dein Leben gerade?

Stefanie Egger