Blue Mind – was Wasser mit mir macht

Seit ich meinen Camper habe, ist mir etwas aufgefallen.

Wenn ich überlege, wohin ich fahren könnte, zieht es mich erstaunlich oft ans Wasser.

An einen See.
An einen Fluss.
Und am allerliebsten ans Meer.

Man könnte jetzt sagen: Ich mag eben Wasser.

Stimmt.

Aber irgendwie ist es mehr als das.

Gerade in den letzten Monaten, in denen in meinem Leben ziemlich viel in Bewegung war, habe ich gemerkt, dass Wasser etwas mit mir macht.

Manchmal reicht schon der erste Blick aufs Meer.

Ich steige aus dem Camper, laufe zum Strand, schaue auf diese endlose Fläche – und irgendetwas in mir verändert sich.

Die Schultern sinken ein bisschen.

Der Atem wird ruhiger.

Der Blick geht in die Weite.

Und mein Kopf, der ziemlich gut darin sein kann, gleichzeitig über ungefähr 27 Dinge nachzudenken, fährt ein paar Gänge runter.

Nicht auf Knopfdruck.

Nicht immer sofort.

Aber ziemlich zuverlässig.

Und dann bin ich über einen Begriff gestolpert: Blue Mind.

Blue Mind beschreibt diesen besonderen Zustand, den Wasser in uns auslösen kann.

Das Gefühl von Ruhe und gleichzeitigem Wachsein.

Von Weite.

Von Präsenz.

Dieses schwer zu beschreibende Gefühl, das entsteht, wenn wir aufs Meer schauen, Wellen hören, am See sitzen oder ins Wasser eintauchen.

Und ich dachte:

Ach. Dafür gibt es einen Namen.

Plötzlich ergab einiges Sinn.

Warum ich nach einem anstrengenden Tag so gerne ans Wasser gehe.

Warum ich am Meer stundenlang sitzen kann, ohne das Gefühl zu haben, irgendetwas tun zu müssen.

Warum Schwimmen für mich nicht einfach Bewegung ist.

Und vielleicht auch, warum meine Reisen mit dem Camper so auffällig oft irgendwo enden, wo Wasser in der Nähe ist.

Wasser verlangt nichts von mir.

Vielleicht ist es genau das, was ich daran so liebe.

Das Meer interessiert sich nicht dafür, ob ich heute produktiv war.

Ob ich alles im Griff habe.

Ob ich die richtigen Entscheidungen getroffen habe.

Oder ob ich auf irgendeine Frage schon eine Antwort habe.

Es ist einfach da.

Die Wellen kommen.

Die Wellen gehen.

Und ich darf einfach daneben sitzen.

Oder mittendrin sein.

Keine To-do-Liste.

Kein Ziel.

Nichts, was ich gerade verstehen oder entscheiden müsste.

Nur Wasser.

Wind.

Horizont.

Und irgendwann dieser Moment, in dem ich merke:

Es ist ruhiger geworden in mir.

Vielleicht fahre ich deshalb immer wieder los.

Als ich mir nach meiner Trennung den Camper gekauft habe, war er für mich vor allem eines:

Freiheit.

Einfach einsteigen und losfahren können.

Mal mit Nino.

Mal allein.

Für ein Wochenende oder ein paar Tage.

Und erstaunlich oft führt der Weg ans Wasser.

Ich glaube, erst mit der Zeit habe ich verstanden, dass es dabei gar nicht nur ums Unterwegssein geht.

Es geht auch um diese Räume, in denen nichts von mir verlangt wird.

In denen ich nicht funktionieren muss.

In denen mein System irgendwann von ganz allein einen Gang zurückschaltet.

Vielleicht wusste mein Körper schon längst, was mein Kopf erst später gelernt hat:

Wasser tut mir gut.

Und nein, das Leben ist danach nicht plötzlich sortiert.

Blue Mind bedeutet für mich nicht, dass ich mich eine Stunde ans Meer setze und danach alle Antworten kenne.

Manche Fragen bleiben.

Manche Dinge beschäftigen mich weiter.

Manche Sehnsucht fährt sogar mit ans Meer.

Und manche Gedanken tauchen zuverlässig wieder auf, obwohl ich ihnen eigentlich gerade Urlaub verordnet hatte. 😉

Aber sie nehmen nicht mehr den ganzen Raum ein.

Da ist plötzlich auch wieder Platz für etwas anderes.

Für den Wind auf der Haut.

Für kalte Füsse im Wasser.

Für das Rauschen der Wellen.

Für einen Sonnenuntergang.

Für dieses unglaubliche Glitzern auf dem Meer, wenn die Sonne tief steht.

Und für diesen ganz einfachen Gedanken:

Wie schön ist das eigentlich gerade?

Vielleicht ist genau das mein Blue Mind.

Nicht die perfekte Stille im Kopf.

Nicht die Antwort auf alles.

Sondern dieser Moment, in dem das, was mich gerade beschäftigt, ein bisschen kleiner wird – und wieder mehr Platz für all das entsteht, was auch noch da ist.

Gestern Abend stand ich wieder am Meer.

Die Sonne ging langsam unter.

Vor mir nur Wasser und Horizont.

Und für einen Moment war völlig egal, was als Nächstes kommt.

Ich war einfach da.

Vielleicht zieht es mich deshalb immer wieder ans Wasser.

Und vielleicht muss ich inzwischen auch gar nicht mehr verstehen, warum.

Ich weiss nur:

Es tut mir gut. 🌊

Stefanie Egger